Aktionswoche Schuldnerberatung 2017: Mit Rat und Tat gegen die Schulden

12.06.2017

„Wenn Menschen in finanzielle Not geraten, brauchen sie Unterstützung – unabhängig von der Einkommenssituation“, erklärt Xenja Winziger, Fachberaterin für Schuldnerberatung beim AWO Bezirksverband Westliches Westfalen mit Sitz in Dortmund. Anlass ist die bundesweite Aktionswoche vom 19. - 23.06.2017. Existenznöte führen zu psychischen Belastungen und gesundheitlichen Einschränkungen. Oftmals ist das Familienleben durch die anhalten Sorgen sehr belastet. „Nicht selten entsteht ein Teufelskreis, den die Betroffenen ohne Hilfe nicht durchbrechen können. Viele Ratsuchende benötigen daher nicht nur rechtliche und wirtschaftliche Hilfestellung, sondern auch Unterstützung in sozialen Fragen“, so Winziger weiter.

Verschuldung ist kein Einzelfall. Allein in NRW haben rund 64.000 Personen wegen finanzieller Probleme im Jahr 2015 eine Schuldnerberatungsstelle aufgesucht. Fast 10 Prozent der Bevölkerung hat mit Schulden zu kämpfen. Nicht selten können Schuldner ihre Lasten nicht mehr begleichen und es droht die Überschuldung. Hauptursachen für eine Überschuldung waren Arbeitslosigkeit, längerfristiges Niedrigeinkommen, gesundheitliche Probleme, Trennung oder Tod des Partners.

Dabei muss das Hilfenetz dringend ausgebaut werden. „Das ist notwendig, um – insbesondere im ländlichen Raum – den tatsächlichen Bedarf zu decken und lange Wartezeiten zu vermeiden.“ Prävention muss ebenfalls im Zentrum stehen und darf nicht als Zubrot verstanden werden. Notwendig sei auch der politische Wille, die finanzielle Kompetenz von Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen zu entwickeln. „Die Finanzierung der Schuldnerberatung muss mit einem Rechtsanspruch gesichert werden, damit dieses vielfach erfolgreiche Angebot verstetigt wird“, sagt Winziger.

Notwendig ist auch die bedarfsdeckende Existenzsicherung für alle. Eine politikfeldübergreifende Strategie sei erforderlich, um insbesondere Armut von Kindern und Jugendlichen zu bekämpfen. Viele Ratsuchende seien in Niedriglohnbeschäftigungsverhältnissen tätig und sind sogenannte „Hartz IV-Aufstocker“ erläutert Winziger und weiter „Personen mit niedrigem Einkommen dürften nicht länger gezwungen sein, bei größeren Anschaffungen, wie eine Waschmaschine oder ein Kühlschrank Finanzierungsangebote zu nutzen oder Darlehen beim Jobcenter aufzunehmen.“ Auch der Anteil für Strom im Regelbedarf der Grundsicherung muss angehoben werden. Nach Auffassung der AWO gehört die Grundversorgung mit Energie zur Existenzsicherung. Die gestiegenen Energiekosten führen dazu, dass immer mehr Menschen die Strom- und Heizkostenrechnung nicht mehr bezahlen und sich verschulden“, sagt die Fachberaterin.

Für verschuldete Menschen, die Beitragsrückstände bei der Krankenkasse haben, muss der Zugang zur Regelversorgung ermöglicht werden. Zudem müssen für Kleinselbstständige bezahlbaren Lösungen für die gesetzliche Krankenversicherung geschaffen werden.

Das 2010 eingeführte Pfändungsschutzkonto erfüllt eine wichtige Schutzfunktion für Überschuldete. Doch es fehlt hier oftmals an ausreichenden Informationen und Anlaufstellen Vorort. Mancherorts geben nur die Schuldnerberatungsstellen die entsprechenden Bescheinigungen aus. Hier ist Politik gefordert, eine entsprechende Gesetzesänderung vorzunehmen, damit die Schuldnerberatungsstellen nicht unnötig belastet werden.

Schließlich müssen die Stellen angemessen ausgestattet werden, damit die Beratungen weiterhin so erfolgreich sind.

Weitere Nachrichten

Meldung vom 10.01.2017
AWO-Arbeitgeber setzen zusätzliches Tarif-Signal bei Kita-MitarbeiterInnen weiterlesen
Meldung vom 06.01.2017
Rund ums Thema „Kredite und Schulden“ berichtet WDR 2 am Donnerstag, 12. Januar. weiterlesen
Meldung vom 01.01.2017
Das Jahr 2017 wird natürlich geprägt von den Wahlen in NRW und im Bund. „Der Steiger" wirft einen Blick voraus in den Mai und den September. Sein besonderes Interesse gilt hierbei dem Frauenanteil auf den Reservelisten der freien Demokrat*innen. weiterlesen
Meldung vom 13.12.2016
Ein Fernsehteam von SAT.1 war zu Gast bei Helmut Scholz im Recklinghäuser Paulusviertel. Der Quartiersmanager berichtete über seine Arbeit vor Ort und das soziale Netz, das er gemeinsam mit anderen Gruppen und Vereinen in der Nachbarschaft spannt. weiterlesen
Meldung vom 12.12.2016
Weiter zunehmende massive Proteste gegen "Steffens-Broschüre" Gemeinsam mit allen anderen Wohlfahrtsverbänden weigert sich die Arbeiterwohlfahrt eine Broschüre aus dem Hause von Barbara Steffens, Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter, zum Thema „Neue Berechnung der Pflegekosten in Nordrhein-Westfalen – Was Sie jetzt wissen müssen“ in den Pflegeheimen verteilen zu lassen. weiterlesen
Meldung vom 02.12.2016
Arbeitsplätze sollen weiter aufgewertet werden: AWO-Arbeitgeber bieten Plus von 4,75 Prozent weiterlesen
Meldung vom 01.12.2016
Ist es wirklich so, dass Gewerkschaft und Kirche verbittert an Maßstäben festhalten, die in unserer heutigen Gesellschaft nur noch eine untergeordnete Rolle spielen, wenn sie sich, wie in Münster geschehen, gegen verkaufsoffene Sonntage aussprechen? weiterlesen
Meldung vom 28.11.2016
Eine Broschüre zum Thema "Neue Berechnung der Pflegekosten in Nordrhein-Westfalen - Was Sie jetzt wissen müssen" will Ministerin Steffens in allen Pflegeheimen verteilen lassen. weiterlesen
Meldung vom 25.11.2016
Am heutigen „Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen" möchte der AWO Bezirksverband Westliches Westfalen auf Frauen mit Fluchterfahrung und Migration hinweisen. 40 Prozent dieser Frauen sind seit ihrem 16. Lebensjahr mindestens einmal Opfer körperlicher oder sexueller Gewalt geworden. Die Quote von Gewalterfahrungen bei Migrantinnen ist noch höher, besonders häufig erleben Flüchtlingsfrauen sexuelle Übergriffe und Gewalt.weiterlesen
Meldung vom 24.11.2016
Eine Gruppe politisch interessierter Senioren aus den vier AWO-Seniorenzentren in Gelsenkirchen hat Anfang November den Landtag in Düsseldorf besucht. Eingeladen hierzu hatte die SPD-Abgeordnete Heike Gebhard, die am Tag der Pflege 2014 im Seniorenzentrum an der Grenzstraße ein Praktikum absolviert hat.weiterlesen