Appell der Freien Wohlfahrtspflege NRW: "Weiterhin Geflüchtete aus griechischen Lagern aufnehmen"

18.06.2021

Die Freie Wohlfahrtspflege NRW appelliert an Landes- und Bundesregierung, wieder Geflüchtete aufzunehmen, die zu unerträglichen Bedingungen in griechischen Lagern ausharren. „Seit Jahren leben dort Schutzsuchende in provisorischen Behausungen unter prekären hygienischen Verhältnissen – das ist menschenverachtend“, sagt der Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrtspflege NRW, Dr. Frank Johannes Hensel anlässlich des Internationalen Tags des Flüchtlings (20. Juni).

Hensel kritisiert, dass das Aufnahmeprogramm der Bundesregierung am 22. April beendet wurde und fordert von der Landesregierung NRW, ein eigens Aufnahmeprogramm zu starten. „Gleichzeitig sollte der NRW-Ministerpräsident und Kanzlerkandidat Armin Laschet öffentlich für eine Fortsetzung der bundesweiten Aufnahme von Geflüchteten eintreten“, fordert Hensel. Es sei inhuman und falsch, dass sich die Bundesregierung aufnahmebereiten Kommunen und Ländern in den Weg stellt und selbst das bundesweite Aufnahmeprogramm beendet, sagt Hensel.

Die Lebensumstände für Geflüchtete in den Hotspots auf den griechischen Inseln seien trotz erheblicher Geldzahlungen und Hilfslieferungen weiterhin katastrophal. „Es fehlt dort an adäquaten Unterkünften und an medizinischer Versorgung“, so der LAG-Vorsitzende. Ärzt:innen berichteten, wie die Menschen nicht nur körperlich, sondern auch psychisch an ihrer Lage leiden: Kinder hören auf zu sprechen, zu essen und zu spielen. Sie haben teilweise seit Jahren keinen Zugang zu Bildung. „Das sind keine Orte, an denen Kinder gesund aufwachsen können und kranke und traumatisierte Menschen entsprechend fachärztlich versorgt werden können“, sagt Hensel, der selbst Arzt ist. Er kritisiert die Politik der Europäischen Union und der griechischen Regierung, die weiter auf Abschreckung, Abschottung und Abschiebung setzten. Faire und rechtsstaatliche Asylverfahren könnten auf den Inseln nicht gewährleistet werden.

Aufnahmebereitschaft der Zivilgesellschaft nutzen

„In Nordrhein-Westfalen brauchen wir jetzt ein Aufnahmeprogramm. Engagiertes Handeln ist gefragt, statt fortlaufend auf die fehlende Bereitschaft des Bundes und anderer europäischer Staaten zu verweisen“, sagt Michael Mommer, Vorsitzender des Arbeitsausschusses Migration der Freien Wohlfahrtspflege. Die Angebote der im Bündnis „Städte Sicherer Häfen“ vereinten Kommunen, Gemeinden und Landkreise, die sich mit der Initiative Seebrücke und der zivilen Seenotrettung im Mittelmeer solidarisieren, gelte es zu nutzen. Die Aufnahmebereitschaft unzähliger Akteur:innen in der Zivilgesellschaft müsse man jetzt umsetzen.

Die Freie Wohlfahrtspflege kritisiert Pläne der Europäischen Union, die Asylverfahren an die europäischen Außengrenzen auszulagern. Sie fordert die Landesregierung auf, in Kooperation mit den Städten und Gemeinden in NRW, so schnell wie möglich ein eigenes Landesaufnahmeprogramm für Geflüchtete in Not zu entwickeln. Gleichzeitig fordert sie aber auch, dass sich die Landesregierung weiterhin für eine Fortsetzung der bundesweiten Aufnahme stark macht. Die Genfer Flüchtlingskonvention dürfe nicht durch die Hintertür ausgehebelt werden.

Die Pressemitteilung der Freien Wohlfahrtspflege als pdf finden Sie hier.

Weitere Nachrichten

Meldung vom 06.10.2022
Abschluss ohne Ausbildung? Die Externenprüfung macht es möglich! In einem Pilotprojekt haben sich vier langjährige Pflegehelferinnen aus dem Bezirk in wenigen Wochen erfolgreich als Pflegefachassistentinnen qualifiziert. weiterlesen
Meldung vom 01.10.2022
Der Steiger hofft auf Rettung im Winter. Die Preise steigen. Die Zuschüsse sind mau. Die Wärmehallen sind mit dem teuren ÖPNV nur schlecht erreichbar. Vielleicht kommt ein Prinz mit Porsche samt Sitzheizung des Weges... weiterlesen
Meldung vom 29.09.2022
Christian Woltering, Vorsitzender der Freien Wohlfahrtspflege NRW: „Es ist skandalös, dass so viele Menschen aufstockende Leistungen beim Jobcenter beantragen müssen.” weiterlesen
Meldung vom 28.09.2022
Katars Image-Kampagne „Fußball-WM 2022“ kostet bis zu 150 Milliarden Euro. „Die beste WM aller Zeiten“ (Gianni Infantino, FIFA-Präsident). Doch was steckt hinter der Fassade? weiterlesen
Meldung vom 19.09.2022
Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig gute Pflege ist. Bei einer Fachtagung kamen Pflegekräfte und Politiker zusammen, um darüber zu diskutieren, was sich ändern muss. weiterlesen
Meldung vom 15.09.2022
Berlin, den 14.09.2022. Heute hat das Bundeskabinett den Gesetzentwurf zur Einführung eines Bürgergeldes beschlossen. weiterlesen
Meldung vom 14.09.2022
Heute, am Aktionstag der Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer (MBE), möchten wir besonders auf die Angebote unserer Migrationsberatungsstellen aufmerksam machen. weiterlesen
Meldung vom 09.09.2022
Pilotprojekt bei der AWO qualifiziert erfahrene Pflege-Mitarbeiterinnen / weitere Prüfungen geplant weiterlesen
Meldung vom 02.09.2022
Mit einer ungewöhnlichen Protestaktion zum Internationalen Antikriegstag am 1. September hat die AWO in Dortmund auf sich aufmerksam gemacht: Mit dem bereits in anderen Städten viel beachteten Motivwagen des Düsseldorfer Künstlers Jacques Tilly setzte die Arbeiterwohlfahrt ein viel fotografiertes Zeichen gegen den Krieg in der Ukraine. weiterlesen
Meldung vom 01.09.2022
Verglichen mit einem Fußballprofi ist das, was die RBB-Ex Patricia Schlesinger verdient hat vielleicht wenig, aber sie hat nun mal nicht Fußball gespielt, sondern war Intendantin beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen. weiterlesen